Presse: BSV Bi mit neugestalteten Räumen
111 Jahre gibt es den Blinden- und Sehbehindertenverein Bielefeld. Damit ist er der älteste Selbsthilfeverein für Menschen mit Sehproblemen in Westfalen. Zum Jubiläum hat sich der Verein selbst beschenkt: mit völlig neu und vor allem barrierefrei gestalteten Vereinsräumen.
Seit 2000 ist der Verein Eigentümer des 1957 erbauten Hauses Weststraße 87. Bis in die 1970er Jahre waren im Erdgeschoss Werkstatt, Laden und Sozialraum untergebracht. Blinde Menschen stellten Bürsten, Besen und Körbe her, vorne gingen sie über die Ladentheke, im Obergeschoss waren zehn Appartements untergebracht, in denen die Beschäftigten wohnten. Die Gebäudestruktur blieb bis zum Umbau unangetastet. Nicht nur am Eingang zum Laden, auch im Erdgeschoss gab es Stufen. „Wir haben beim Umbau Räume um 40 Zentimeter angehoben, um ein einheitliches Niveau zu erreichen", erläutert Bertram Weiland. Als Architekt des NRW-Landesverbandes der Blinden- und Sehbehindertenvereine hat er die umfassende Sanierung geplant und koordiniert.
Der Ladeneingang ist nun zugemauert, das Haus barrierefrei über eine Rampe von hinten zugänglich. Barrierefrei bedeutet, dass nun überall Menschen in Rollstühlen durchkönnen, es eine Toilette für Menschen mit Behinderungen gibt – zeigt sich aber auch in Details, die besonders auf die Einschränkungen von sehbehinderten Menschen eingehen: ein Leitsystem zum Haus, eine kontrastreiche Farbgestaltung oder einklappbare Kleiderhaken, die sich sogar an ihrem Material einzeln erkennen lassen. „Eine Akustikdecke haben wir ebenfalls eingezogen. Wer nicht sehen kann, für den sind Räume, in denen die Sprache deutlich rüberkommt, wichtig", erläutert Bertram Weiland.
Zur feierlichen Eröffnung waren alle begeistert. „Es ist unser Anspruch, unsere Stadt inklusiv zu entwickeln", sagte Oberbürgermeister Pit Clausen. „Wir brauchen ihre Erfahrung, ihre Mahnung und ihre Forderungen", adressierte er insgesamt an die Menschen mit Einschränkungen in der Stadt. „Andersartigkeit muss selbstverständlich sein. Die Vielfalt bietet viele Chancen", sagte Christina Kampmann, SPD-Landtagsabgeordnete. Die Feier fand im ehemaligen Ladenlokal statt, nun ein multifunktionaler Saal mit 60 Quadratmetern.
Der Weg zu den neu gestalteten Räumen begann bereits 2016. Es musste entschieden und geplant werden und es brauchte Geld. Der Umbau ist mit rund 280.000 Euro von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und der Aktion Mensch gefördert worden. „Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Andreas Bruder, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins in Bielefeld, „aus eigenen Mitteln hätten wir das nicht stemmen können, zumal wir hier komplett ehrenamtlich agieren".
Das umgebaute Haus bietet wie gewohnt Beratung an, etwa durch „Blickpunkt Auge", einem Angebot, das etwa Informationen über Hilfsmittel bis hin zur Beantragung eines Schwerbehindertenausweises vermittelt. Darüber findet ein reges Vereinsleben statt, inklusive einem Erzählcafé, Ausflügen und auch Fahrrad-Tandemfahrten. „Uns ist es wichtig, dass Betroffene Betroffenen helfen und wir so gemeinsam dafür sorgen, dass Blinde und Sehbehinderte nicht in die soziale Isolation fallen", sagt Andreas Bruder.
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